Auf der Suche nach dem verlorenen Sinn!

Besonders gestresst habe ich mich eigentlich nicht gefühlt. Schließlich war meine Zeit als Mutter zweier Kleinkinder hauptsächlich durch Hausarbeit und Kinderbetreuung ausgefüllt. Nebenher arbeitete ich noch ein paar Stunden als Vertretungslehrerin. Dafür standen mir jedoch die Ressourcen von Oma und Opa als motivierte Kinderbetreuung zur Verfügung. Trotzdem fehlte mir irgendwie die Richtung im Leben. Dass Familie für mich wichtig war, war klar, nur wohin es bei mir beruflich gehen sollte, war mir irgendwie überhaupt nicht klar. Nach meinem Biologie-Studium bin ich ins Referendariat als Lehrerin für Gymnasien in Ermangelung anderer Optionen reingerutscht. Dieses habe ich dann nach einem Jahr durch die Geburt meiner Tochter unterbrochen und seit dem war ich in Elternzeit und irgendwie genauso orientierungslos wie zuvor.

Durch persönliche Kontakte zu BaLiOGO wurde mir die Möglichkeit gegeben, meine unbewussten Bedürfnisse zu entdecken. Was das genau sein sollte, davon hatte ich vorher jedoch keine Vorstellung. Ich sollte mir ein Bild aus einer ganzen Bilderkartei raussuchen, das bei mir positive Gefühle weckt. Nach einmaligem Durchsehen der Bilder stand sofort ein Bild eindeutig fest. Dies hat mich ziemlich überrascht. Denn dieses Bild – darauf war ein Kleinkind zu sehen, das einen niedlichen großen Hund umarmte – löste bei mir so viele positive Gefühle aus, dass ich sofort in Tränen hätte ausbrechen können. Dann bekam ich die Aufgabe, mir bewusst zu machen, was das Bild bei mir auslöst bzw. ich sollte meine Gefühle in Worte fassen. Nach kurzem Überlegen war mir bewusst: dieses Bild war für mich der Inbegriff von reinem Familienglück. Das war es, was ich mir am meisten wünschte. Harmonie und Glück in der Familie; am besten in meinem eigenen Häuschen mit Garten, in dem meine Kinder dann den Familienhund beknuddeln könnten.

Am Ende der Entdeckung meines unbewussten Bedürfnisses stand die Formulierung eines Mottos, das meine Gefühle zu dem Bild prägnant beinhalten sollte und mir als Leitmotiv dienen sollte. Die Formulierung des Mottos fiel mir am schwersten, ich habe es zwischenzeitlich auch mehrmals umformuliert. Da das Motto einige Kriterien erfüllen muss, z. B. das es hundertprozentig unter eigener Kontrolle steht und ausschließlich positive Gefühle weckt: Zuerst hatte ich als Motto: Ich lebe sicher in meinem Familienidyll. Mittlerweile ist es eher eine Reihe von Assoziationen zu dem Wort ´Familienglück` und die Gefühle und Wünsche, die für mich damit verbunden sind.

Eigentlich hören sich dieser Prozess und das Ergebnis nicht besonders beeindruckend an, eben wie der Wunsch einer gefühlsbetonten Mutter. Beeindrucken war, was die Formulierung meines Haltungsziels dann alles auslöste.

Durch das Verfahren der Entdeckung meines unbewussten Bedürfnisses hatte ich wieder eine klare Orientierung. Das diffuse und belastende Gefühl, nicht richtig zu wissen, welchen Stellenwert die Bereiche Familie und Beruf in meinem Leben besitzen, ist nun verschwunden. Die fehlende Klarheit hatte dazu geführt, dass ich das Referendariat damals nicht mit der Überzeugung und Freude ausüben konnte, wie ich es mir eigentlich wünschte. Mein Bedürfnis Familienglück stand dazu unbewusst in Konkurrenz. Dadurch hatte ich immer gehadert und war mir unsicher, ob ich wirklich mein Leben damit verbringen sollte, lauten, nervigen Kindern etwas beizubringen, was diese wahrscheinlich nur marginal interessiert.

Doch das hat sich nun geändert. Durch die wiedergewonnene Orientierung habe ich erkannt, dass mein Beruf einen wertvollen Beitrag für mein wichtigstes Bedürfnis Familienglück leisten kann. Mir ist z. B. bewusst geworden, dass ich selbst auch für die Finanzierung eines Häuschens für meine Familie sorgen kann und mache es nicht mehr allein vom Einkommen meines Mannes abhängig. Zuvor war die Vorstellung für mich, mit einer vollen Stelle als Lehrerin zu arbeiten und gleichzeitig noch für meine Kinder ausreichend Zeit zu haben, eher abschreckend. Nun freue ich mich, dass ich dadurch die Möglichkeit habe, unseren Lebensunterhalt fast alleine sichern zu können.

Aus der ehemaligen Konkurrenz zwischen Familie und Beruf ist ein symbiotisches Miteinander geworden. Das hat meine berufliche Einstellung total gewandelt. Ich gehe nun mit einer grundsätzlich positiven Einstellung in die Schule und fühle mich durch die Schüler nicht mehr bedroht. Ich nehme auch nicht mehr alles persönlich. Dadurch ist mein Stresspegel während des Unterrichtens erheblich gesunken und ich komme selbst mit der problematischsten Klasse der Schule gut zurecht. Zu meiner Überraschung sind die Schüler und Schülerrinnen von meiner Umgangsart nun auch sehr angetan.  Mittlerweile freue ich mich auch sehr darüber, dass ich Kindern etwas  näher bringen kann, das mir in meinem Leben immer besonders am Herzen gelegen hat.

Mein Motto schlägt sich auch in anderen Verhaltensweisen nieder. Ich kaufe z.B. nicht mehr dauernd irgendwelche Klamotten oder Schuhe. Das war zuvor eine echte Schwäche von mir und hat meinem Konto überhaupt nicht gut getan. Und dieser Kaufzwang war eigentlich nur der Versuch, kurzfristig ein positives Gefühl auszulösen. Jetzt ist mir bewusst, was mir wirklich wichtig ist und wo ich im Leben hin möchte. Meiner Meinung nach gibt es nichts Wichtigeres im Leben als zu wissen, was man will. Nur dann kann man wirklich glücklich werden. Dafür danke ich BaLiOGO sehr.

(Kerstin T., Lehrerin)